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FCA geht in die Offensive: Ist Erdgas das neue Diesel?

 

Natural power: Das klingt nach Bio, nach nachhaltig, nach alternativ, nach regenerativ. Klingt eben alles nach ziemlich gesund und erstrebenswert. Natural power: So nennt der FCA-Konzern (Fiat Chrysler Automobiles) auch seine Fahrzeugpalette mit einem ganz besonderen Kraftstoff: CNG. Compressed natural Gas. Besser bekannt als Erdgas. In Zeiten von Diesel-Gate, möglichen Fahrverboten in Innenstadtbereichen und einem Wust von teilweise ungeklärten und gefilterten Informationen zum Thema CO2 und Feinstaub wird alles, was nicht nach Dreckschleuder klingt, interessant und überlegenswert. Oder ist zumindest mehr im Fokus als das bisher der Fall war.

Deshalb pusht FCA jetzt auch seine Modellpalette mit Erdgas-Fahrzeugen, stellt deren Vorteile heraus. Der Konzern verweist auf eine Kompetenz von mehr als zwei Jahrzehnten beim Bau von Fahrzeugen mit mono- oder bivalentem Erdgasantrieb. Mit Autos also, die entweder ausschließlich mit Erdgas betrieben werden oder mit einem zusätzlichen Benzin-Aggregat ausgerüstet sind und somit über eine ansehnliche Reichweite verfügen. Mehr als 740.000 verkaufte Fahrzeuge mit CNG-Technologie seit dem Jahr 1997, sagt der Konzern, sprächen eine deutliche Sprache.

Immer mehr Menschen, die sich mit Antriebstechnologie und mit Mobilität schlechthin beschäftigen, betrachten Erdgas (chemischer Begriff Methan) als alternativen Kraftstoff, der die CO2- und Schadstoffemissionen von Fahrzeugen erheblich minimieren kann, weil er bei der Verbrennung im Motor nahezu keine Partikel erzeuge und darüber hinaus deutlich weniger Stickoxide und Kohlenwasserstoffe als Benzin oder Diesel. Zusätzlicher Vorteil: Die Technik der Verbrennungsmotoren bedarf keiner großen Veränderungen. Alle diese Komponenten sind ein Grund, weshalb die Bundesregierung Erdgas steuerlich bis zum Jahr 2026 weiter subventioniert.

Vor dem Hintergrund des angekündigten Ausstiegs des Konzerns aus der Diesel-Technologie geht FCA mit seinem Angebot an Erdgas-Fahrzeugen jetzt in die Offensive. Nicht nur beim Kunden, sondern auch bei den Händlern, die „bis in den kleinsten Winkel der Republik“, so ein Sprecher zu Wochenbeginn, mit Beratung, Verkauf und Service von CNG-Fahrzeugen umfangreich vertraut gemacht werden sollen.

12 Modelle, die mit diesem Kraftstoff betrieben werden, gehören mittlerweile zum Produktportfolio, acht davon sind in Deutschland erhältlich. Wobei der Fiat Panda mit 300.000 produzierten Einheiten das meistverkaufte Fahrzeug dieser Art in Europa ist. Zum Fiat-Angebot an CNG-Fahrzeugen gehören die Pkw-Modelle Panda, 500L, Doblo, Fiorino, Punto und Qubo sowie die Transporter Fiorino, Doblò Cargo und Ducato. Entweder mit ausschließliche Erdgasantrieb, oder als bivalente Variante mit zusätzlichem Benzin-Aggregat. Das ist ein Spitzenwert in Europa.

Gestartet wird bei bivalenten Modellen immer im Benzin-Modus. Die Umschaltung von Benzin zu Erdgas erfolgt entweder von Hand oder automatisch. Das bedeutet, dass das System erkennt, wenn der Erdgas-Vorrat zur Neige geht. Es schaltet dann von selbst auf Benzinbetrieb um. Die Reichweite richtet sich nach der Anzahl der verwendeten Tanks, die alle unterflurisch angebracht sind und somit keine Laderaum-Kapazitäten beanspruchen. Werden beide Kraftstoff-Varianten vollständig ausgenutzt, ergibt sich bei einem Kleinwagen oder einem leichten Nutzfahrzeug oft eine Reichweite von weit mehr als 1000 Kilometern.

Das Tanken funktioniert ähnlich wie beim Benziner. Der Doppelschlauch ist mit wenigen Handgriffen angeschlossen und verriegelt. Wie beim Benziner oder Diesel erfolgt der Tankvorgang, also das Befüllen der Gasflaschen, automatisch. Ein Signal von der Tanksäule informiert darüber, wenn das Ventil wieder entfernt werden kann. Ein voller Gastank kostet im Moment je nach Spritpreis zwischen und 15 und 14 Euro. Legt man einen realistischen Verbrauch von 4,5 Kg für 100 Kilometer zugrunde, dann würde der Kilometer knappe fünf Cent kosten. Bei entsprechender Kilometerleistung amortisiere sich damit auch der höhere Anschaffungspreis.

Ein Problem ist derzeit (noch) das dünne Tankstellen-Netz. Etwas mehr als 900 Erdgas-Tankstellen stehen bundesweit zur Verfügung. Mittelfristig sollen mehr als 2000 Tankstellen für Erdgas entstehen, wobei die Autobauer auch die Erdgas-Anbieter bei der Umsetzung dieses Vorhabens in der Pflicht sehen. Auf den Status Quo angewandt heißt das: CNG ist vor allem für Klein- und Kompaktfahrzeuge, für leichte Nutzfahrzeuge wie Lieferwagen eine sinnvolle Antriebsvariante mit einer ökologischen Bilanz, die den Diesel ersetzen kann. Sollen sich auf Dauer auch Mittelklasse-Fahrzeuge oder Vans wie der Fiat 500L, den es mit dieser Technologie bereits gibt, durchsetzen können, muss das Netz der Versorgung möglichst rasch erheblich erweitert werden.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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