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Nervös wie die Rennpferde: „Shake down“ der Saarland-Pfalz Rallye

 

Wolfersweiler, ein kleines, verschlafenes Dorf im Westen der Republik, gelegen an der Grenze zweier Bundesländer. Die Nahtstelle zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland. An diesem eiskalten Donnerstagnachmittag ist der Ort wie ausgestorben. Kein Mensch im Dorf zu sehen, am Straßenrand einige Autos, welche die Salzspuren der vergangenen bitterkalten Wintertage tragen. So gegen 17 Uhr, als sich ganz langsam die Dämmerung nähert, kommt auf einmal wie von Geisterhand Leben in den Flecken. Service-Autos, bunt lackiert, größtenteils mit Schriftzügen aus dem automobilen Leben, biegen ab in Richtung Sportplatz, vorbei am Gebäude der freiwilligen Feuerwehr.



Dort halten sie auf zwei großen, sandigen, leicht verschneiten Flächen an und entleeren dann ihren „Bauch“: Werkzeug, Wagenheber, Matten, Kanister mit Öl und anderen Betriebsstoffen, schwere Lampen. Im Minutentakt folgen dann die eigentlichen „Gladiatoren“ dieses späten Tages in Wolfersweiler. Es wird laut, Drehzahlen, hoch gezüchtete Motoren schießen brüllend nach oben. In den Häusern wird es hell, die Straßen füllen sich allmählich mit Menschen. Neugierde macht sich breit.

Die letzten Stunden dieses Donnerstags sollen zu einem Tag werden, wie ihn der kleine verschlafene Ort sonst auch nur annähernd nicht kennt: Deutschlands schnellste Rallye-Autos, die besten Piloten machen halt an der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Deutsche Rallyemeisterschaft kündigt sich an. Am Tag darauf beginnt in der Kreisstadt St. Wendel, nur eine knappe Viertelstunde entfernt, die „Saarland-Pfalz-Rallye“, der erste Lauf zur Deutschen Rallyemeisterschaft 2018. Und heute, an diesem Donnerstag, ist in Wolfersweiler der letzte Test für die Piloten und ihre Service-Leute unter Wettbewerbsbedingungen.



„Shake down“, nennt man so etwas in der Szene. Am Freitag und Samstag werden auf anspruchsvollen Wertungsprüfungen die Schnellsten ermittelt. Unbestrittener Höhepunkt ist der vor Tausenden von erwartungsvollen Fans an der Bordsteinkante gefahrene KÜS-Stadtrundkurs in St. Wendel. Zweimal muss dieser „Circus maximus“ auf vier Rädern absolviert werden. Nirgendwo sonst ist der Rallyesport näher dran an seinen eigenen Wurzeln, an seinen Bewunderern und verbreitet seine ganze Faszination mehr als hier, zwischen Häuserschluchten und Bordsteinen.

Heute, beim Shake down aber, gilt es noch einmal die letzten Vorbereitungen zu treffen. Fahrwerkseinstellungen vorzunehmen. Reifen verschiedenster Profile zu testen. Miteinander zu reden, zu beratschlagen, zu entscheiden. Denn es gibt, so rund 24 Stunden vor dem Start auf dem Schlossplatz am Freitagabend, eine Menge Dinge, die noch im Unklaren sind. Und für so etwas ist der Shake down da. Gegen halb sechs kommen Marijan Griebel, der amtierende Junioren-Europameister und sein Beifahrer Alexander Rath. Die beiden, unterstützt von Peugeot Deutschland und ROMO Motorsport, sind in ihrem 285 PS starken 208 T 16 R5 in diesem Jahr die Top-Favoriten auf den Titel als Deutsche Rallyemeister und damit auch bei der Saarland-Pfalz-Rallye.



Griebel ist noch skeptisch: „Ich bin mit dem Auto noch nie auf Schnee gefahren. Mal sehen.“ Er legt selbst mit Hand an, ist im ständigen Austausch mit seinen Mechanikern. Dann, es dunkelt bereits, geht es raus auf den Kurs. „Etwa fünf bis sechs Mal“, sagt Co-Pilot Alexander Rath, werde man raus gehen. „Wir müssen ein Gefühl für das Auto bekommen bei diesen Bedingungen“, sagt er.

Ähnlich geht es auch den anderen. Patrick Gengler, der Luxemburger, klebt auf das Dach seines Toyota GT86 noch akribisch das Zeichen seiner Herkunft auf. „De roude Leiw“ sagt er, also „der röte Löwe“, das Wahrzeichen des Großherzogtums müsse mit an Bord sein, bevor es losgeht. Daneben haben sich die Jungs aus dem ADAC Opel Rallye Cup eingefunden. Viele von ihnen bestreiten ihre erste Saison in dem Nachwuchs-Cup. Die Nervosität ist den meisten von ihnen an zu sehen.

Elias Lundberg und Heger Magnussen, die beiden Schweden, erkundigen sich schon einmal bei den Älteren, was die denn von den Witterungsbedingungen halten und was sie erwarten. Kann ja nie schaden, mit ein paar Leuten zu reden, die hier schon mal gefahren sind.

Derweil wird das Häuflein der „Kiebitze“ immer größer. Viele von ihnen dick vermummt, so dass nur die Nasenspitzen rausgucken. Es hat immer noch heftige Minusgrade hier oben über Wolfersweiler und der Ostwind pfeift ordentlich. Längst herrscht reger Betrieb auf dem Sportplatz-Gelände. Die Teilnehmer geben sich die „Reifen in die Hand“: Rein, raus. Erkenntnisse sammeln. Noch ist es Zeit, aber in knapp 24 Stunden wird es ernst.

Dann fällt der Startschuss zur Saarland-Pfalz-Rallye mit dem zweimal zu bewältigenden KÜS-City-Rundkurs als spektakulärem Höhepunkt.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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