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Buchtipp - Hepinstall: Bittersüß wie Pecannüsse

 

Was mich am allermeisten quälte, noch mehr als Pollys Geheimnisse, war die Tatsache, dass sie rauchte wie ein Schlot. Ich kannte die Bilder von schwarzen Raucherlungen aus dem Fernsehen und stellte mir vor, dass Pollys alte, abgenutzte Lungen bei jedem Inhalieren zitterten wie Soldaten im Schützengraben, die das tödliche Gas auf sich zukriechen sahen. Da war diese Frau aus unserer Schulkantine. Sie rauchte unheimlich gern Salem Lights. Ich sehe sie noch heute vor mir, wie sie im Schürzenkittel draußen auf dem Schulhof stand und mit Genuss vor sich hin paffte. Dann wurde sie krank und ließ sich eine Zeitlang nicht mehr blicken. Irgendwann tauchte sie wieder auf, dünn und blass, und servierte uns mit einem Haarnetz über dem jetzt kahlen Kopf unsere Spaghetti. Eines Tages verschwand sie ganz. Über die Lautsprecheranlage wurde uns mitgeteilt, sie sei verstorben, und wir bekamen alle panierte Zwiebelringe geschenkt."

"Salem Lights" mögen als Zigarettenmarke nur noch wenigen (früheren) Fans ein Begriff sein. Die Sorge um die kettenrauchende Polly kennt aber wohl jeder, der schon mal versucht hat, einen starken Raucher (oder natürlich eine Raucherin) in irgend einer Form zur Mäßigung im Laster zu bewegen.

So weit, so konventionell. Aber: Willow, die sich hier Sorgen macht, macht sie sich um ihre Mutter. Und Polly ist sehr spät, mit Ende fünfzig, noch Mutter geworden. Ja, richtig, kein Tippfehler. Vor diesem Hintergrund versucht die Tochter, verschiedene Wesensarten ihrer Mutter zu ergründen. Denn sie lebt generell sehr frei von Konventionen, nicht nur in einer Hinsicht.

Ein Mutter-Tochter-Problem, das, je tiefer man in die Geschichte der Personen eintaucht, umso abenteuerlicher gerät, ist als Roman nicht neu. Mutig aber ist, dass Kathy Hepinstall es versteht, als Ausgangspunkt eine sehr späte Mutterschaft zu wählen. Das ist zwar auch nicht neu - allerdings liest man davon meist in den täglichen Schlagzeilen. Und die eignen sich kaum, über das - heikle - Thema nachzudenken. Dieses Buch ist da ein weit besserer Anstoß, zumal es sich vorzüglich leicht liest.

Kathy Hepinstall: Bittersüß wie Pecannüsse. Rowohlt Verlag (polaris); 14,99 Euro.

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