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Formel E: Leises Rasen mit Strom

 

Mit zunehmender Kritik an den verbrauchsintensiven Formel 1-Autos mit Verbrennungsmotoren, hat sich vor einem halben Dutzend Jahren eine Interessentengruppe etabliert, die den rein batterieelektrisch betriebenen Formel-Sport initiierte und ihm auf die Sprünge half. Das klappte dann in der Folgezeit so gut, dass ab der Saison 2014/2015 eine eigene Rennserie das Laufen lernte: die Formel E (auch "Formula E" genannt).

Neben dem Antriebskonzept neu ist, dass etwa zur Mitte des Rennens die Fahrzeuge die Box anlaufen, um das gesamte Akkupaket 1:1 auszutauschen, denn die Reichweite unter Rennbedingungen genügt noch nicht, um einen kompletten Wertungslauf durchzuhalten. Doch bereits jetzt, inmitten der Saison 2017/2018 wurde bekannt, dass dieser Wechsel ab der Saison 2018/2019 entfallen wird. Grund dafür: das Technologie-Unternehmen MAT ("Mc. Laren Applied Technologies") hat einen Superakku bis zur Serienreife entwickelt, der ein ganzes Rennen lang halten soll. Eine Bärenleistung von 54 kWh wird ihm zugeschrieben. Etwa ein Dutzend Rennställe fightet also um Punkte und Pokale, um Summen, die jedoch nicht so abgehoben sind wie in der Formel 1. Dennoch liest sich die Starterliste spannend, da auch namhafte Ex-Formel-1-Piloten darunter sind. Derzeit sind 10 Destinationen rund um die Welt mit der Ausführung der Rennen betreut: Hongkong, Marrakesch, Santiago de Chile, Mexiko City, Punta del Este (Uruguay), Rom, Paris, New York, Berlin und Zürich. Allesamt Stadtkurse mit hohem Zuschauerpotential. Da wundert es doch ein wenig, dass das Motorsportland Nr. 1 in Europa, England, nicht dabei ist. Keine Abgase und kein ohrenbetäubender Lärm... die Welt könnte so schön, wenn es nicht auch Zuschauer gäbe, die gerade diese Begleiterscheinungen vermissen.

Auch deutsche Firmen sind stark involviert, allerdings sind sie auch Global Player: Der Rennstall von ABT (Audi) arbeitet eng mit Schaeffler zusammen, einem weltweit agierenden Konzern, der sich unter anderem auch auf elektromotorische Antriebe spezialisiert hat. Das gleiche trifft auf GKN zu, woher Achsantriebe und Gelenkwellen stammen...in einem E-Renner, der mit Lucas di Grassi die 2016/2017er Meisterschaft gewonnen hatte. GKN entwickelte und lieferte bereits 1935 für die Jaguar SS-Limousine entsprechende Bauteile. Diese lange Tradition hat bis heute Bestand, denn das "Panasonic Jaguar Racing Team" wird auch aktuell noch und wieder von GKN betreut. Die gleiche Firma war auch in der Saison 2014 mit dem Audi R18 e-tron Quattro, einem echten Hybriden, in Le Mans erfolgreich (gegen die starken Abonnementssieger von Porsche).

Man kann sicher sein, dass die Formel E in absehbarer Zeit sich durchaus mit der Formel 1 messen kann, die Marken werden noch vielfältiger und Sponsoren werden angelockt. Wieweit sich die fehlende akustische Komponente egalisieren lässt, bleibt derzeit noch unklar, doch mit steigendem und weltweitem Verantwortungsgefühl für erneuerbare Energien und ökologisch nachhaltige Herstellungstechniken wird auch hier ein Umdenken stattfinden. Schließlich ist der Verbrennungsmotor auch nicht an einem einzigen Tag erfunden worden...

Text: Frank Nüssel/CineMot
Bilder: GKN, Schaeffler, Teams

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