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Elektro-Lkw: Die Batterie-Brummis kommen

 

Tonnenschwer, aber flüsterleise: Auch der schwere Güterverkehr wird nun elektrisiert, die ersten Kleinserien von Elektro-Lkw im Alltagseinsatz fahren in Deutschland und Österreich im kommenden Jahr auf den Straßen.

Typisches Einsatzgebiet der Elektro-Lkw ist zunächst der innerstädtische, schwere Verteilerverkehr, zum Beispiel die Supermarktbelieferung. Sie kann so geräuscharm und lokal emissionsfrei geschehen. Der „Urban e-Truck“ von Mercedes, der auf der IAA 2016 als Studie vorgestellt wurde, startet hier nun testweise. Der 25-Tonner kann 12,8 Tonnen zuladen und fährt mit einer Batterieleistung von 212 kWh bis zu 200 Kilometer weit rein elektrisch - was für eine Tagestour im Verteilerverkehr üblicherweise voll ausreicht.

2018 startet nun die Praxiserprobung, eine spezielle Flotte der Elektro-Lkw ist dazu bei Mercedes-Kunden auf der Straße im Alltagseinsatz. Der Hersteller erhofft sich dadurch wertvolle Praxiserfahrungen mit der neuen Technik – zum Beispiel zu Logistikprozessen und Betriebskosten. Die Produktion in Großserie ist für 2020 geplant. Die Erkenntnisse sollen schließlich in neu konzipierte Geschäftsmodelle für vollelektrische Laster für den innerstädtischen schweren Verteilerverkehr münden.

Bereits im ersten Quartal 2018 bringt die Konkurrenz eine elektrische Lkw-Flotte auf die Straße: Zusammen mit neun österreichischen Logistikern erprobt Lkw-Hersteller MAN den Einsatz von elektrischen Verteiler-Lkw im Alltag. Die Fahrzeuge der TGM-Baureihe haben einen 250 kW-Elektromotor und werden mit einer elektrischen Reichweite von 200 Kilometern ebenfalls in der City-Logistik eingesetzt. MAN hat angekündigt ab Ende 2018 eine Kleinserie von weiteren E-Trucks aufzulegen, eine Großserienfertigung ist für 2021 geplant.

Einen anderen, nicht minder spannenden Ansatz verfolgt Scania: Der schwedische Hersteller und VW-Tochter setzt modifizierte Laster bei Tests von Oberleitungen auf Autobahnen ein. In Schweden sind die Lkw mit Stromabnehmern auf dem Dach bereits seit 2016 unterwegs. Ab nächstem Jahr fahren Oberleitungs-Lkw auch in Deutschland im Realverkehr: Auf einem etwa sechs Kilometer langen Teilstück der Autobahn 1 in Schleswig-Holstein, zwischen Reinfeld und Lübeck. Das Bundesumweltministerium fördert das Pilotprojekt mit rund 14 Millionen Euro. Baubeginn für die nötige Infrastruktur ist im März, die Fertigstellung Ende 2018.

Die Oberleitungen könnten eine Option zur Elektrifizierung der Langstrecke sein, die bisher wegen zu schwerer Akkus, die mitgeschleppt werden müssten, als Herausforderung für den E-Lkw gilt. Beim Oberleitungs-Konzept nutzen die Lkw den Strom aus der Oberleitung nicht nur für die elektrische Fahrt, sondern laden gleichzeitig ihren Akku. Deshalb reicht es laut Ministerium, einzelne Abschnitte der Autobahn zu elektrifizieren, zwischen denen dann mit Strom aus dem Akku gefahren werden kann. Lkw verschiedener Speditionen beteiligen sich an dem Projekt.

Rein batterieelektrische leichte Nutzfahrzeuge sind zum Beispiel bei der Post-Tochter DHL in der Paketauslieferung bereits im Einsatz und im städtischen Straßenbild durchaus präsent. Für 2018 hat der Hersteller der elektrischen Paket-Laster Streetscooter die Erhöhung der Produktionskapazitäten auf 20.000 Stück pro Jahr angekündigt und nimmet dazu ein neues Werk in Nordrhein-Westfalen in Betrieb. Im Segment der 7,5-Tonner bringt Daimler-Tochter Fuso nun einen neuen Mitspieler: Der eCanter hat eine Reichweite von 100 bis 120 Kilometern und kommt in Kleinserie neben den USA und Japan auch in Europa auf den Markt. Ab 2019 soll er in Großserie produziert werden.

Text: Hanne Schweitzer/SP-X
Fotos: Hersteller, SP-X

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