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Rückblick: So fuhr man vor 40 Jahren

 

Schlaghosen, Discomusik, schrille Farben und nicht zu vergessen Prilblumen. Die Siebziger hatten einiges, woran man sich heutzutage schmunzelnd oder vielleicht mit Schrecken erinnert. Das gilt auch für Autos, die damals das Straßenbild bestimmten. Nur wenige haben im kollektiven Gedächtnis überdauert. Fünf Beispiele, an die man sich erinnern sollte.

Der Renault R4 war die Antwort auf die Ente von Citroen und das ultimative Studentenauto der späten Siebziger. Die schrullige Revolverschaltung, die schlichte Kastenform, der hohe Nutzwert und nicht zuletzt der günstige Preis des schon seit 1961 produzierten Franzosen machten ihn vor allem gebraucht zum Junge-Leute-Auto. Notfalls passten deutlich mehr Menschen hinein, als es die Zulassung erlaubte. Die 34 Pferdchen brachten den nur 3,63 Meter langen und 1,43 m schmalen Renault trotzdem sicher vom WG-Parkplatz in die Szenekneipe.

Dort traf er auch immer wieder auf ein damals neues Autokonzept auf Wolfsburg. Der erste Golf war ähnlich groß, aber viel moderner und schnittiger, was ihn, bei aller Klassenlosigkeit, die ihm seitdem konstatiert wurde, damals auch den Ruf eines Yuppie-Autos einbrachte, Die „young urban professionals“ waren eher brave Bankkaufleute denn Investmentbanker. Gegenüber den studentischen Renault-Fahrern sahen sie mit ihren Golfs trotzdem relativ wohlhabend aus.

Die gutbürgerliche Alternative, auch für Studenten, kam von Mercedes. Der seit Ende der sechziger Jahre gebaute W114, besser bekannt als „Strich Acht“, gewissermaßen die damalige E-Klasse, transportierte nicht nur als Taxi Millionen Fahrgäste, in stärkeren Ausführungen die Prokuristen des Mittelstandes, sie diente auch den Möchtegern-Revoluzzern des zu Ende gehenden Jahrzehnts als günstiger und unkaputtbarer Gebrauchter, ergo als nützliches Gefährt. Speziell die Dieselversion 200d mit ihren 55 PS kam in der Szene gut an, musste aber oftmals ohne den als Souvenir beliebten Stern auf der Haube auskommen.

Eher vor der Disco und gerne auch auf den Parkplätzen von Kasernen traf man den Ford Capri. Die kölsche Version eines amerikanischen Pony-Cars sah auch nach heutigen Maßstäben gut aus und war damals ziemlich schnell, jedenfalls wenn man statt des 1,3-Liter-Basismotörchens einen 2,3- oder 2,6-Liter Sechszylinder geordert hatte. Lange Motorhaube, tiefliegende, cool aussehende Instrumente im Ami-Stil und die zwei plus zwei-Bestuhlung machten den Capri zum perfekten Gefährt, um junge Damen zu beeindrucken.

Das ging natürlich auch mit dem Wettbewerbsprodukt aus Rüsselsheim, wobei wir ausnahmsweise nicht den naheliegenden Manta meinen, sondern den Kadett C, speziell in der Coupé-Version. Während der Manta nämlich auch gerne von Papa zur Pflege langsam verblassender Jugendlichkeit bewegt wurde, war der heckgetriebene Kadett als Coupé und noch besser als 110 PS starker GT/E Zeichen forsch-jugendlicher Dynamik und zwar noch bevor die ersten Golf GTI das Licht der Welt erblickten. Dazu bedurfte es nicht mal der damals schicken gelben Lackierung mit schwarzen Zier- oder Rallye-Streifen. Die wiederum passten natürlich perfekt zum schrillen Diskooutfit oder zum samstagnachmittäglichen Treffen mit Gleichgesinnten an der Dorf-Tanke.

Text: Spot Press Services/Wolfram Nickel
Fotos: Hersteller/SP-X

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