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Buchtipp der Woche

 

Ihsan Acar: Der Türke - das Original. dtv; 7,90 Euro.

Kaya Yanar hat einen ernst zu nehmenden, aber nicht bierernst schreibenden Mitbewerber bekommen: Ihsan Acar ist 1975 geboren und nimmt das Zusammenleben der Kulturen mit einem breiten Schmunzeln unter die Lupe. Das Resultat sind amüsante Alltagsepisoden nach der Devise "Über andere lachen darf nur, wer sich selbst gleichfalls auf den Arm nehmen kann." Wie Ihsan Acar.

So kann es passieren, dass in einem deutschen Wartezimmer dem türkischen jungen Mann (und seinem besten Kumpel, denn man tritt immer verstärkt auf) eine nicht mehr ganz junge, überaus attraktive Dame auffällt. Beide jungen Männer unterhalten sich auf türkisch (und dem Inhalt nach absolut respektvoll) genau über dieses Aussehen. Womit sie nicht rechnen: Ob ihrer Unterhaltung fragt die Dame die beiden nach eventuellen Erfahrungen mit dem Arzt, in dessen Wartezimmer man gerade sitzt. Denn es ist eine Landsfrau der beiden, die lediglich als solche nicht erkannt wurde. Was also tun die "Ertappten"? Sie haben ja eigentlich keinen Grund, sich zu genieren, denn sie haben nichts Respektloses geäußert. Aber die Unterhaltung an sich ist ihnen nun peinlich, also - nix wie weg.

Oder: Wie beugt man nachbarschaftlichem Ärger vor, wenn ein Grillfest ansteht? Wie verhindert man Auseinandersetzungen ob vom Grillrauch geschwärzter Wäsche von der Leine nebenan, die eigentlich nur trocknen, aber ihre Farbe behalten sollte? Man lädt alle Nachbarn gleich mit der Ankündigung des Festes ein. Es kann dann nur passieren, so Acars Beobachtung, dass der deutsche Nachbar schlicht alles aufißt - was wiederum so oder so ein Kompliment an den Koch ist.

Miteinander klar kommen und sich vertragen, das mag nicht immer einfach sein. Mit seinen amüsanten Beobachtungen zeigt der junge Autor einen (sicherlich aus Erfahrungen entstanden) Weg, wie es sehr gut funktionieren kann.

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