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Dakar 2019: Auch Außenseiter mit Chancen

 

Es ist auch im Cross Country-Motorsport nicht unüblich, dass etliche Teilnehmer mit ungewöhnlichen Fahrzeugen an den Start gehen. Ebenso ausgefallen sind die Namen, unter denen die Marke und das Modell vor Ort erscheinen, die bislang meist nur absoluten Insidern bekannt sind. Diese Erkenntnisse beziehen sich vor allem auf Modelle, die den einachsig angetriebenen Buggys zuzuordnen sind.

In der Vergangenheit tauchten da, vor allem bei den Dakar-Veranstaltungen, abenteuerliche Konstruktionen auf. Nur wenige schafften es bis ins Finale. Diese Buggys verfügen im Gegensatz zu ihren Vierrad-angetriebenen 4x4- Kollegen über etliche Erweiterungen im technischen Reglement. So dürfen sie eine zentrale Reifendruck-korrigierende Anlage aufweisen(die der Copilot bedient), die Federwege dürfen sichtbar länger ausfallen und die Rad-/Reifenkombinationen sich etliche Freiheiten gönnen.

Im spanischen Valencia ist die Firma "Herrador Competicion" beheimatet, die ein besonders auffälliges Fahrzeug dieser Buggy-Art entwickelt und gebaut hat. Alle guten Gene der T2-Gruppe sind anwesend. Ein Gitterrohrrahmen sorgt für Stabilität und Sicherheit, trägt auch ein geringeres Gewicht bei und wird mit einer nur wenige Pfund leichten Fiberglas-Haut überspannt. Das Leistungsgewicht ist phänomenal, da, je nach Veranstaltung, ein von Chevrolet stammender V8-Benziner implantiert wird, der 450 oder gar 495 PS leistet. Damit ist man auf einer Stufe zur Leistungsbilanz der Toyota Hilux im Renntrimm.

Das Ganze ist im Prinzip ein Mutant, der unter dem Namen von Ssangyong fährt, 2018 noch unter dem Modellnamen "Tivoli", nun für 2019 als "Rexton". Mit den Serienmodellen hat dieses Renngerät nichts mehr gemeinsam. Das für die Dakar gebaute Exemplar wird erst einmal als Einzelstück quasi auf Erprobungsfahrt im Wettbewerb gehen. Die Leistungsdaten überzeugen. In 4,4 Sekunden katapultiert sich der nur zweirad-getriebene Rexton auf 100 km/h und erreicht, je nach Achs- und Getriebeübersetzung, eine Vmax von 195 km/h. Den berühmten "Ritt auf der Kanonenkugel" könnte man damit vergleichen. Das 6-Gang-Renngetriebe, sequentiell natürlich zu schalten, stammt von SADEVS, spezielle Pneus für Sand und Schotter kommen aus dem Hause Yokohama, der Fahrwerksspezialist "KING" hat ein stabiles Gesamtfahrwerk gebaut mit superlangen Feder- und Dämpferwegen. Da alles ja auch eingebremst werden muss, steuert AP die Rennbremsen bei. Fahrer des Exoten ist der Spanier Óscar Fuertes, der bereits 2018 auf einem ähnlichen Rallyegerät Dakar Erfahrungen sammelte und sogar, wenngleich mit weitem Abstand, die Rallye in Wertung beendete.

Kreationen unter dem Begriff "Brand-Umfirmierung" nahmen bereits mehrfach teil, etwa ein Borgward, dessen Basis ein betagterer Mitsubishi-Rallye-Lancer war, dem mit einem Ford V8 auf die Sprünge geholfen wurde. Auch der chinesische Autobauer Great Wall war bereits angetreten auf einer Nissan-Basis mit BMW V6- Dieseltechnik des X3 von X-raid.

Text: Frank Nüssel
Quelle und Fotos: marathonrally.com

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