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Buchtipp - Brooks: Vom Mut, anders zu sein

 

»Ich bin nicht gescheitert. Ich habe bloß zehntausend Methoden entdeckt, die nicht funktionieren.«

Ohne das, was nicht funktionierte, verdanken wir Thomas Edison noch genug. Unter anderem gehen die Videokamera, die Glühbirne und das Mikrofon auf ihn zurück. Denn so funktioniert letztlich Forschung: Eine Idee haben, überlegen, wie man sie umsetzt, einen nicht zielführenden Weg korrigieren - und so lange weitertüfteln, bis das, was eine Idee war, in der Praxis steht.

Sieht man sich die Porträts, die Ben Brooks zusammen getragen hat, stellt man fest: So funktioniert Fortschritt nicht nur in der technischen Forschung, sondern in allen Gesellschaftsbereichen.

In der Politik wird das aktuell besonders deutlich an Barack Obama, und Brooks macht in seiner kurzen Vorstellung des früheren US-Präsidenten deutlich, warum. Der Mann, den wir in Europa als so smart, so cool wahrnahmen, ja, fast als eine Art Polit-Popstar, hat faktisch an einer Menge Tabus erfolgreich gerüttelt, zum Beispiel der in den USA immer noch fest verankerten Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen mit seiner Gesundheitsreform den Solidargedanken entgegengesetzt.

In der Physik war es der kürzlich verstorbene Stephen Hawking, der nicht nur der grausamen Krankheit ALS eine unglaubliche Zahl an Lebensjahren abtrotzte, sondern aus dem Unterrichtsfach-Schrecken für Generationen von Schülern Bestseller gewann, die verständlich verfasst und dabei wissenschaftlich redlich waren.

Auch in Sport, Literatur, Populärmusik und vielen anderen Bereichen finden sich Stars, die den Namen wirklich verdienen. Solche, die eine Idee verfolgten, teilweise gegen erbitterte Widerstände, bis der Erfolg ihnen recht gab. Das verblüffendste Beispiel düfte jenes von Nikola Tesla sein (nicht zu verwechseln mit der Automarke): Der Erfinder war mit zahlreichen Zwangsstörungen behaftet, die im Alltag skurril wirken mochten, ihn aber keineswegs störten: Er fand sie, im Gegenteil, hilfreich dabei, sich auf seine Forschungen zu konzentrieren.

Der Titel macht stutzig: Kann man das überhaupt heute noch, anders sein im positiven Sinne? Ist die Welt nicht schon so bunt und, ja, weltoffen, dass es solcher Charaktere gar nicht mehr bedarf? Klare Antwort: Nein. Die Porträts von Ben Brooks - jedes genau eine Doppelseite lang - sprechen eine klare Sprache.

Ben Brooks: Stories For Boys Who Dare To Be Different. Vom Mut, anders zu sein. Loewe Verlag; 19,95 Euro.

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