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Marokko-Rallye: Test für die Dakar

 

Die Marokko-Rallye in der nördlichen Mitte des Landes zwischen Mittelmeer und Sahara gilt als ultimativer letzter Stresstest für Mensch und Material bezüglich der nächsten Dakar-Rallye. Die Gesamtlänge beträgt zwar nur ein Drittel (gut 2000 km) der nächsten geplanten Südamerika-Dakar. Im Prinzip trafen hier auch jene Favoriten (oder auch: Mit-Favoriten) aufeinander, die sich Anfang Januar 2019 in Peru wieder begegnen.

Toyota Gazoo aus Südafrika (Team-Chef Glyn Hall) bot gleich drei starke Fahrerteams auf identischen Hilux-V8-Pickups auf: Giniel de Villiers, Nasser Al Attyah und Ten Brinke. Das X-raid-Team aus dem hessischen Trebur stand dieser Qualität kaum nach und meldete gleich 2 JCW-Mini Buggy mit Sainz und Désprés, sowie Jakub Przygonski auf einem JCW-Mini neuester Ausbaustufe. Schon früh zeigte sich, dass der junge Pole, der die Cross Country-Weltcup-Wertung bis dahin souverän anführte, nach Ausfall seiner ärgsten Konkurrenten in den ersten 3 Tagen das FIA-Championat, stilvoll gewinnen wird. Er hat einfach jenen Flow, der aus Beständigkeit, Schnelligkeit und sehr risikobewusstem Einsatz besteht. Ein echter Gewinn für Teamchef Quandt.

Al Attyah ließ gleich zu Beginn nichts anbrennen, brauchte noch etwas Zeit, um sich vor allem von den Mini abzusetzen, legte dann aber richtig los. Gleichmäßig schnell und mit unheimlicher Präzision durchmaß er die Streckenpassagen durch das Atlasgebirge, erlaubte sich außer hie und da mal einen "Platten" keine Zeitverluste und blieb vorne. De Villiers und Ten Brinke hatten da schon etwas mehr Pech und haderten zeitweise auch mit der Technik, die bei de Villiers dann fast zur Aufgabe führte (Auspuff gebrochen, akute Feuergefahr, tiefes Schlammloch, ein Überschlag).

Aber auch das X-raid-Team blieb nicht ohne Blessuren: Mitfavorit Sainz fing sich schon früh eine gigantische Zeitstrafe ein, die ihn aussichtslos weit nach hinten verschlug. Cyril Désprés schlug sich wacker; mal mit den Toyotas, mal mit dem Ford F 150 von Martin Prokop, der seinen V8-Pickup aggressiv durch Sand und Felsen trieb. Die wilde Hatz durch den Atlas forderte dann prompt auch ihre Opfer. So strandete Altmeister Sainz bereits früh mit einem technischen Problem, fing sich eine Zeitstrafe von 2 Tageslängen ein und rollte schlussendlich, immerhin noch in Wertung, als 24. im Zielort Fes ein.

Gewonnen hat der mit Herz und Hirn fahrende Qatari Al Attyah (bereits zum 5. Mal!) auf dem Toyota Gazoo Hilux, während sich Przygonski auf dem JCW-Mini auf Rang zwei einnistete. Teamkollege Cyril Désprés auf dem JCW Buggy schaffte es noch auf Platz 3, so dass zwei von X-raid gemeldete Fahrzeuge auf dem Siegertreppchen standen. Martin Prokop auf seinem bärigen Ford F 150 leistete sich gleich zu Beginn heftige Scharmützel mit Al Attyah, musste dann aber von Tag zu Tag zurückstecken, um schlussendlich knapp das Podium zu verfehlen. Etwas enttäuschend der 5. Platz von R. Chabot, einem der ganz versierten Wüstenkenner, der einen der frei gewordenen Ex-Werks-Peugeot 3008 DKR Maxi pilotierte. Im Kampf um den FIA-Weltcup- Sieg fiel Przygonskis einziger Rivale Vassilyev auf einem Hilux von Overdrive schon früh aus. So sah ein Dutzend möglicher Favoriten das Ziel nicht mehr.

Text: Frank Nüssel/CineMot
Bilder: Toyota Gazoo, X-raid

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