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Das Zylinderhaus: Ein neuer Tempel der deutschen Automobilgeschichte

 

An der Mosel ist ein neuer „Tempel der deutschen Automobilgeschichte“ entstanden und vor wenigen Tagen eröffnet worden. Ein echtes Unikat in der automobilen Klassiker-Landschaft. Nach über zwei Jahren Bauzeit hat in dem romantischen Kreisstädtchen Bernkastel-Kues zwischen Trier und Koblenz das private Schmuckstück eines ortsansässigen Automobil-affinen Unternehmers seine Tore für die Öffentlichkeit geöffnet. Das „Zylinderhaus“, so der Name des Museums für historische Technik, versteht sich nicht als eine reine Oldtimer-Sammlung.

„Wir möchten unseren Besuchern ein breites Spektrum an Autos und Motorrädern aus der betreffenden Zeit bieten, in der diese Fahrzeuge damals unterwegs waren“, erläutert Museumsdirektor Martin van Stek die Konzeption des ungewöhnlichen und mit viel Liebe zum Detail hergerichteten Hauses. Auf zwei Ebenen können die Besucher quasi in die Geschichte großer deutscher Unternehmen eintauchen und diese mitverfolgen: Wie etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, die ersten Exemplare der Marken Horch und Auto-Union: Der Werdegang des späteren Automobil-Imperiums Audi, angefangen von Gründervater August Horch bis hin zum Ur-Quattro wird sicht- und greifbar. Denn der aus dem Lateinischen stammende Name Audi bedeutet übersetzt nichts Anderes als „Höre“ oder eben „Horch“.

Ausschließlich deutsche Traditionsmarken werden im Zylinderhaus in Bernkastel-Kues noch einmal zu neuem Leben erweckt. Darunter ganz seltene Namen wie etwa Goliath, Hansa oder Lloyd, einst allesamt unter der Ägide des Bremer Automobil-Fabrikanten Carl Friedrich Wilhelm Borgward für den Straßenverkehr zugelassen.

Mehr als 100 wunderbar restaurierte und in Szene gesetzte Prachtstücke aus über acht Jahrzehnten säumen die Galerie, eingerahmt von historischem Ambiente. Denn Nostalgie ist Trumpf bei einem Gang durch die Hallen des Zylinderhauses, für den man genügend Zeit einplanen sollte.

Der Besucher fühlt sich mit stilisierten Ladenpassagen in eine Zeit versetzt, die man gemeinhin als die „gute alte“ bezeichnet. Eine Apotheke, ein Fotoladen, eine uralte Tankstelle, oder das, was man so schön als „Tante-Emma-Laden“ bezeichnet, sorgen für die passende Einstimmung und Begleit-Erscheinung.

Zu den Sahnestückchen der Ausstellung von Automobilen und historischen Zweirädern gehört ein Audi 225 Front Luxus Gläser Cabriolet aus dem Jahr 1937, von dem es weltweit nur noch sechs Exemplare gibt. Oder ein Horch 930 V, nach dem zweiten Weltkrieg als Karosse für die bedeutendsten Staatsmänner wie den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer oder den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle eingesetzt.

Das „Zylinderhaus“ ist mehr als nur ein „Seniorenwohnheim“ für altes Blech, Lack und Leder. Ganze international renommierte Fahrzeug-Sammlungen wurden für das Haus an der Mosel aufgekauft. „Wir wollen den Besucher ganz bewusst in die damalige Zeit entführen, ein ganzheitliches Erlebnis bieten“, sagt van Stek bei einem Rundgang durch das „Zylinderhaus“. So wurden ein Campingplatz aus den 1950ern nachgebaut, ein stilisierter Autofriedhof errichtet oder eine kleine Ecke lädt zum Spielen an alten Flipper-Geräten und Musikboxen ein.

5000 Quadratmeter groß ist das Interieur der neuen Attraktion von Bernkastel-Kues. Das weithin sichtbare mächtige Gebäude bietet auch Konferenzräume für Seminare und Tagungen, zudem eine Erlebnis-Gastronomie. Van Stek erläutert: „Wir wollen ein Eventzentrum für private Personen und Firmen rund um das Thema deutsche Automobilgeschichte sein.“
Mehr als eben nur eine Oldtimer-Sammlung.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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