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Tatort Nürburgring: Richy Müller, Racer und Schauspieler mit Benzin im Blut

 

Der Schauspieler Richy Müller, der in den Stuttgarter „Tatort“-Folgen den Hauptkommissar Thorsten Lannert verkörpert, trat am Wochenende auf dem Nürburgring als Gaststarter im „Porsche Carrera Cup Deutschland“ an. Am Rande des „Ring-Wochenendes“ hatten wir Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Rennsportbegeisterten Akteur, in dem es auch, aber nicht nur um Motorsport ging.

„Herr Müller, die Eifel und der Nürburgring haben Sie auf ihre ganz spezielle Art und Weise empfangen. Es regnet mal wieder in Strömen. Wie war das erste freie Training unter diesen Bedingungen?“

Müller: „Bei diesen Verhältnissen hat mich das Team auf Regenreifen rausgeschickt. Ich habe zwar wenig Erfahrung auf diesen Pneus, denke aber, dass ich mich da ganz gut durchgekämpft habe“

„Sie haben eine internationale Rennlizenz, betreiben seit über 20 Jahren Rennsport mit Porsche-Fahrzeugen. Als „Tatort“-Ermittler Thorsten Lannert fahren sie einen Targa, privat einen 911er. Was macht die Faszination dieser Marke aus? Was ist die DNA von Porsche?

Müller: „Porsche ist Emotion und Fahrzeugtechnik auf höchstem Level zugleich. Einen Porsche, vor allem einen 911er, erkennt man auf den ersten Blick, da muss man nicht lange rumraten. Diese Form ist eine Ikone. Porsche bedeutet für mich die Umsetzung höchster technischer Anforderungen um schnell, mit Freude, aber dennoch sicher und wohlbehalten ans Ziel zu kommen.“

„Der Carrera-Cup wird an diesem Wochenende auf dem Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings ausgetragen. Welche Attribute verbinden Sie mit dieser Rennstrecke, insbesondere mit der Nordschleife?“

Müller: „Das sind in erster Linie Begriffe und Ereignisse wie „Grüne Hölle“ oder der Unfall Niki Laudas. Die Nordschleife ist etwas ganz Besonders, etwas für Abenteurer und Draufgänger, aber auch für absolute Kenner. Ich bin die Strecke zwar schon einmal gefahren, aber nur, um das auf mich einwirken zu lassen. Nicht im Renntrimm. Dafür muss man sich einweisen lassen. Aber reizen würde mich das schon.“

„Sie haben eben Niki Lauda angesprochen. Hätte Sie die die Hauptrolle in der Lauda-Verfilmung „Rush – Alles für den Sieg“ gereizt?“

Müller: „Nein, gar nicht. Daniel Brühl hat diese Rolle so gut interpretiert, das war nicht mehr zu toppen.“

Porsche stellt derzeit seine Motorsport-Aktivitäten neu auf. Das Haus zieht sich aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft zurück, wird 2019 in die Formel E einsteigen und hat Interesse an einem Comeback in der Formel 1 signalisiert. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?“

Müller: „Nach einer so erfolgreichen Ära wie Porsche sie in der WEC hatte, war das Ende des Engagements eine nachvollziehbare Entscheidung. Porsche wird zwar weiter ein Augenmerk auf den GT-Sport legen, aber die Zukunft gehört der Formel E. Die Ingenieure haben ihre Kompetenz bei der Hybridisierung des Motorsports in der WEC nachdrücklich unter Beweis gestellt. Darauf wird man in der Formel E aufbauen. Die Serie ist ein Muss, um am Ball zu bleiben. Und die Formel 1 ist natürlich eine riesige Herausforderung. Porsche – ob als Motorenpartner oder wie auch immer – wäre eine Bereicherung der Formel 1.“

„Alles spricht von der Energiewende. Der Verbrennungsmotor, insbesondere der Diesel, steht in der Kritik. Kann ein Bekenntnis zum Motorsport überhaupt noch zeitgemäß sein? Muss man als Autofreund fast schon befürchten, als Umwelt-Ferkel zu gelten?“

Müller: „Diese Dinge muss man in der Relation sehen. Das Automobil ist nur ein Faktor in dieser ganzen Umweltdiskussion, dessen Rolle überbewertet und unangemessen interpretiert wird. Die Schiffsflotte auf den Meeren, darunter viele Kreuzfahrtdampfer, bläst eine Unmenge von Schadstoffen in die Luft. Dagegen sind die vom Straßenverkehr produzierten Emissionen vergleichsweise gering. Die Maßstäbe werden bewusst verschoben, auch der europäischen Autoindustrie gegenüber. Dieses Gebaren kann man oft nur als Hexenjagd bezeichnen.“

Interview: Jürgen C. Braun
Fotos: Jan Bodenbach

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