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Buchtipp - Hoffman: Insomnia

 

Er log und versicherte seinen besorgten Eltern, dass es ihm schon viel besser gehe. Dass er Freunde in der Schule habe und nachts wieder Schlaf finde. Dass die Kopfschmerzen langsam nachließen. Er begann, mit geschlossenen Lippen zu lächeln, damit man die abgebrochenen Zähne nicht sah, und trug langärmelige T-Shirts, um die Wunden an seinen Unterarmen zu verdecken, wo er sich bis aufs Blut in die Haut kniff, wenn die Schmerzen ganz, ganz schlimm wurden und die bösen Gedanken in seinem Kopf ganz, ganz … böse.

"Insomnia" entwirft ein durchaus verstörendes Psychogramm, das der Autorin erschreckend realistisch gelungen ist. Im Mittelpunkt steht die Suche nach einem Serientäter und, ebenfalls alles andere als nach Phantasterei klingend, das Thema Zeugenbefragung und Zeugenaussagen. Unter anderem zeigt Jiliane Hofman auf, wie beides - unbeabsichtigt - gravierende, unvorhersehrbare Folgen haben kann.

Wie für alles, das Jiliane Hoffman schreibt, gilt auch hier: Nichts für schwache Nerven, keine messerscharfe Trennung zwischen Gut und Böse - aber faszinierende Kost für alle, die einem Thriller etwas abgewinnen können, der genau diese Grenzen nicht scharf zieht.

Jiliane Hoffman: Insomnia. Rowohlt Verlag; 19,95 Euro.

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