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Motorsport: Umgang mit der Presse bei Unfällen.

 

Es scheint überall das gleiche Prinzip vorzuherrschen: Bei Unfällen oder anderen unerfreulichen Tatbeständen reagieren Industrie und Veranstalter nahezu identisch. Man gibt nur das zu, was an Schuldhaftem schwarz auf weiß nachgewiesen wurde. Und auch das nur scheibchenweise. Erst auf heftiges Drängen seitens der Medien bequemt man sich zu Stellungnahmen, die an Mehrdeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassen, aber dafür von den Hausjuristen in exzellenter Plädoyermanier formuliert.

Motto: Nur nichts zugeben. Verdrängen, Verklausulieren, Verdrehen der Tatsachen ... das ist der Job, der dafür hoch bezahlten Juristen. Im Motorsport ist das kaum anders. Ob nun auf Privatwegen DTM-Boliden für eine PR-Aktion harmlose Fußgänger erschrecken und gar über den Haufen fahren oder ob gar Tote und Schwerverletzte bei Motorsportveranstaltungen zu beklagen sind: Die Auswahl jener Medien wird geschickt vorgenommen, in denen ein Dementi oder eine "Stellungnahme" publiziert werden. Geschickt werden kleinere Zeitungen und Agenturen ausgewählt, damit man "nachweisbar seine Pflicht getan hat". Das ist in der Formel 1 nicht anders als beispielsweise und aus aktuellem Anlass bei dem Offroadspektakel, das sich noch immer "Rallye Dakar" nennt, obgleich seit 8 Jahren in Südamerika gefahren wird.

Ein deutscher Mitbewerber, der 12 Fahrzeuge (MINI) ins Rennen geschickt hatte, musste gleich zu Beginn zwei Ausfälle durch Unfälle "verkraften". Bereits beim Prolog verlor eine chinesische "Bezahlfahrerin" in diesem Team die Herrschaft über ihr Fahrzeug und mähte etliche Zuschauer nieder. Ein deutscher Privatier im Dienste des gleichen Teams prallte am 2. Tag gegen einen Felsblock, zerstörte sein Fahrzeug irreparabel und musste ausscheiden. Beide Vorfälle wurden nicht oder nur an journalistischen Nebenschauplätzen thematisiert, von Bildern davon ging offiziell nichts raus. Ganz anders verhielten sich die zwei schärfsten Konkurrenten um den Gesamtsieg: Das südafrikanische Toyota Gazoo-Team wie auch das französische Peugeot-Red-Bull-Team brachten ihre Pannen und Unfälle offen und ehrlich mit klaren Worten sowie aussagefähigen Bildern an die Presse und ins Netz. In der Formel 1 ist das Fernsehen weltweit stark präsent. Das ist beim längsten Offroadspektakel, das seit 8 Jahren in Südamerika stattfindet (statt im Mutterland der Rallye Afrika) nicht mehr der Fall (nur noch Spartensender berichten).

Die Redaktionen der führenden Gazetten berichten kaum noch darüber, alleine wegen der inzwischen knapp 70 Toten, die in und neben den Wüsten bislang als Opfer zu beklagen waren. Etwas mehr Mut und Offenheit zum ehrlichen Journalismus wäre durchaus angebracht. Auch der Fairness den Medien gegenüber. Und wegen der Glaubwürdigkeit der Motorsport-Berichterstattung insgesamt.

Text: Ignaz Hammer
Fotos: redbullcontentpool, Teams, Veranstalter

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