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Dakar 2016: Großes Finale im Schatten eines Protests

 

Über 50 Minuten Vorsprung hatte Stéphane Peterhansel (Peugeot 2008 DKR) noch 3 Tage vor Ende der Veranstaltung auf seinen Kontrahenten Nasser Al Attiyah (Mini). Der letztjährige Sieger aus Qatar brannte nochmals ein Feuerwerk ab, holte Tag für Tag etliche Minuten auf, um letztendlich als Zweiter mit etwa 30 Minuten minus auf dem Podium zu stehen. Eine Meisterleistung, gerade weil er sich ziemlich am Anfang der Rallye mehrfach überschlagen hatte. Giniel de Villiers auf dem Gazoo-Toyota lag schon 1 Stunde zurück und belegte den dritten Platz. Irgendwo und irgendwie gerecht das Ganze: Drei ehemalige Dakar-Sieger auf 3 unterschiedlichen Marken teilen sich den engen Raum auf dem Podium. Für Statistik-Freaks: Altmeister Peterhansel hat nun mit 50 Jahren seinen insgesamt 12. Dakar-Sieg (6x Motorrad, 6x Auto) in trockene Tücher gebracht, auf Peugeot diesmal. Eine kleine, feine Rache für den 2014 durch X-raid-Chefentscheid verlorenen Sieg gegen Nani Roma.

Dennoch, und da geht die unerfreuliche Geschichte weiter, ist der Sieg heuer derzeit nur ein vorläufiger: Das X-raid-Team hatte, als sich abzeichnete, dass die Peugeots um einiges schneller marschierten als die Mini und dabei Tagessieg an Tagessieg an ihre Fahnen hefteten, einen Protest gegen Peterhansel eingelegt, er habe außerhalb einer definierten Zone Sprit nachgefüllt. Na ja. Spätestens, als sich zeigte, dass Peterhansel wohl die diesjährige Dakar reichlich souverän für die Franzosen gewinnt, wäre eine Möglichkeit gegeben gewesen, den Protest zurückzunehmen. Oder allerspätestens kurz vor der Siegerehrung. Das wäre fairer und nobler gewesen. So wird erneut irgendwo in den Annalen ein dezenter Makel bei X-raid hängen bleiben, egal, wie die Sache ausgeht. Im Übrigen hatte sich der Zweite, Nasser Al Attiyah auf dem schnellsten Mini, zwischendurch bei dem Treburer Rennstall beklagt, sein Mini sei einfach zu langsam, die Weiterentwicklung habe offensichtlich stagniert.

Dieses Szenario überschattet leider die Veranstaltung und überdeckt auch glanzvolle Auftritte anderer Teilnehmer. Der Finne Hirvonen kam aus der Rallye-WM letztes Jahr zu X-raid, fuhr heuer seine erste Dakar, machte nichts falsch, fuhr beherzt und mit viel Kopf und wurde mit einem feinen 4. Platz dafür belohnt. Was auch etwas hängen bleibt, ist, dass sich Glynn Halls Toyota-Equipe aus Südafrika erneut vergeblich bemüht hat, den ersten Toyota-Sieg einzufahren, trotz glänzender Vorbereitung, trotz tadelloser technischer Vorarbeit, trotz Leistungsvorteilen. Dass zum ersten Mal nach 15 Jahren wieder ein Fahrzeug gewann, das k e i n allradangetriebenes war, und Al Attiah mit Platz 2 der beste unter den Allradlern war, darf zum Nachdenken anregen. Ob und wie es weiter geht, bleibt abzuwarten: Ob Peterhansel mit 50 sich nochmals diese Strapazen zwischen Höhe (bis 4.600 Meter!) und Hitze (bis 50 Grad) antut und ob Al Attiyah vielleicht demnächst ebenfalls bei Peugeot anklopft, um ins Team aufgenommen zu werden? Der große Carlos Sainz, der so brillant gefahren war, zeitweise an der Spitze lag, um dann wegen eines Materialbruchs seinen 2008 DKR vorzeitig abzustellen ... was wird er in Zukunft machen? Cyril Deprés und Sébastien Loeb sind die jüngeren Fahrer, sind schnell genug, werden ihre Tiefsand-Defizite noch aufholen, werden wohl die neue Generation bei Peugeot bilden. Um mal ein Bild für die Zukunft zu malen (so es denn eine für die "Dakar" gibt): Peugeot wäre mit den beiden Vorgenannten plus einem versierten und ausgebufften Al Attiyah ein schier unschlagbares Team. Die Zeit des Spekulierens und Planens fängt schon einen Tag nach Ende der Dakar an.

Text: Frank Nüssel/ CineMot
Bilder: Teams

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